Schneeblumen-Gedenkweg
In der Nacht des 13. April 1945 – kurz vor Kriegsende – wurden 1550 Zwangsarbeiterinnen, 1300 jüdische Ungarinnen und 250 französische politische Gefangene, vom Außenlager Markkleeberg des KZ Buchenwald durch die verdunkelten Randbezirke von Leipzig getrieben – in eisigem Regen, hungernd, geschwächt, in Holzschuhen. Viele von ihnen überlebten diesen Todesmarsch nicht.
Am 16. April - 81 Jahre später haben wir an sie erinnert und sind ein Stück Ihres Weges gemeinsam gegangen. Der Schneeblumen-Gedenkweg führt von Markkleeberg über Wurzen, Oschatz, Naundorf und Meißen in Richtung Theresienstadt.
Der Gedenkweg erinnert nicht nur an Leid und Verlust, sondern auch an Zusammenhalt, Musik und innere Kraft. Zahava Szasz Stessel, eine Überlebende, erzählte, dass die Frauen trotz Hunger und Angst sangen, dichteten und musizierten, um ihre Hoffnung zu bewahren. Deshalb wurde auch am 16. April auf dem Abschnitt zwischen Oschatz und Naundorf der Gedenkweg von Musik begleitet. Es spielten Schüler und Lehrer der Oschatzer Musikschule – originale Lieder aus dieser Zeit, die uns von der Notenspur Leipzig zur Verfügung gestellt wurden. So wurden Vergangenheit und Gegenwart durch die Musik verbunden.
In Naundorf fanden sechs jüdische Mädchen nach ihrer Flucht von diesem Marsch Unterschlupf, versteckt von Alfred Holschke und seiner Familie, die dafür ihr eigenes Leben riskierten. Heute erinnert ein Gedenkstein im Park an ihre Tat. Dort wurden zum Abschluss Karten mit den Namen der Frauen, Steine und Blumen niedergelegt.
Der Schneeblumen-Gedenkweg ist mehr als Erinnerung. Er ist ein gemeinsames Zeichen für Würde, Frieden und Menschlichkeit. Er fand dieses Jahr zum ersten Mal in Oschatz statt und wurde von der Leipziger Notenspur und dem Soziokulturellen Zentrum E-Werk Oschatz initiiert. Kooperationspartner waren das Thomas-Mann-Gymnasium Oschatz, die Kreismusikschule „Heinrich Schütz“, die Evangelische Werkschule und die Gemeinde Naundorf, sowie der Oschatzer Geschichts- und Heimatverein.